Das Abitur hat am 19. März 2020 in Hessen begonnen. Wir das Campus van Geister und alle Bundesländer verfolgen das Geschehen im Zuge der SARS-CoV-2 Krise

Abitur in Zeiten von Corona

„Sie wünschen sich Glück, umarmen sich“
Trotz des Kontaktverbots finden in Hessen derzeit Abiturprüfungen statt. Manche Schüler sind froh, die Klausuren hinter sich zu haben – und andere nehmen es mit den Abstandsregeln nicht so genau.

Kontakte zu anderen Menschen auf ein Minimum reduzieren, Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten – die Anweisungen von Bund und Ländern, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind klar.

Trotzdem treten in diesen Tagen rund 23.500 Schülerinnen und Schüler in Hessen zu den Abiturklausuren an. Die Fortführung der schriftlichen Abiturprüfungen sei vom „weitgehenden Kontaktverbot“ nicht betroffen, heißt es in einer Stellungnahme des Kultusministeriums.
„Risiko kann weitgehend ausgeschlossen werden“
Bildungsminister Alexander Lorz (CDU) wandte sich in einer Videobotschaft an die Abiturienten. „Wir würden die Prüfungen nicht beginnen lassen, wenn wir es gesundheitspolitisch nicht für verantwortbar hielten“, sagt Lorz darin. „Wir glauben aber auch, dass bei Beachtung aller Hinweise, die uns die Gesundheitsexperten gegeben haben, das Risiko, sich beim Schreiben der Abiturklausuren zu infizieren, weitgehend ausgeschlossen werden kann.“
Es folgt eine Reihe von Ratschlägen: „Versammeln Sie sich nicht auf dem Schulhof, gehen Sie zu Ihrem Platz, schreiben Sie die Klausur und verlassen Sie die Schule direkt danach wieder.“
Die Realität sieht oft anders aus. „An meiner Schule gibt es in vielen Räumen kein Waschbecken“, berichtet eine Lehrerin, die in Hessen aktuell eine Abiturklasse betreut. „Ist doch eins vorhanden, muss Seife oft von den Klassenlehrern gekauft und bezahlt werden. Manche tun dies, andere nicht.“
Gemeinsam mit dem Auto zur Schule
Sie hatte sich beim SPIEGEL gemeldet, weil sie sich Sorgen macht um die Gesundheit von Prüfern und Geprüften. Als Landesbeamtin darf sie sich allerdings nur mit ausdrücklicher Genehmigung ihrer Vorgesetzten öffentlich äußern, deshalb möchte sie in diesem Text anonym bleiben.

Die Prüfungen, die seit dem 19. März in Hessen stattfinden, beschreibt sie so: „Die Schüler sind in unterschiedlichen Zusammensetzungen in den Klassenräumen versammelt, die sich jeden Tag ändert.“ Die Jugendlichen kämen teils gemeinsam in einem Auto zur Schule. „Sie wünschen sich Glück, umarmen sich.“
Sobald sie das Schulgebäude beträten und sich in Sichtweite der Lehrer befänden, vergrößerten sie zwar die Abstände zwischen sich – und unterschrieben auf einer Liste, dass sie nicht an Symptomen litten. Dabei zeigen gerade junge Menschen ohne Vorerkrankungen häufig keine oder nur leichte Anzeichen einer Infektion, obwohl sie das Virus möglicherweise längst in sich tragen.
Attest erforderlich, um an Prüfungen teilzunehmen
Sascha Stoltenow ist Elternbeirat an einem Gymnasium in Wiesbaden – und wurde selbst positiv auf das Coronavirus getestet. Seitdem arbeitet Stoltenow im Homeoffice und hält sich auch weitgehend von seiner Familie fern. Seinem Sohn, der nun das Abitur ablegen will, hilft das aber wenig.
„Wir stehen alle unter Quarantäne“, sagt Stoltenow. Damit der junge Mann nach Ablauf der Zwei-Wochen-Isolation in die Prüfungen einsteigen kann, benötigt dieser ein amtsärztliches Attest, das ihm Schulfähigkeit bescheinigt. „Ich hoffe, wir bekommen es noch rechtzeitig.“
Mit dem Lernen komme der Abiturient gut voran, sagt der Vater – „auch dank Videochats mit den Klassenkameraden.“ Gleichzeitig hoffe er, dass sein Sohn den „Kopf frei habe“ für die Prüfungen. „Ich merke, wie die Situation die ganze Familie beunruhigt – obwohl ich nur leichte Symptome der Infektion spüre. Die Menschen gehen mit den psychischen Belastungen sehr unterschiedlich um, aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch diese Situation meistern.“
Natürlich können sie verstehen, dass manche Schüler die Prüfungen hinter sich bringen wollten, schreibt die hessische Lehrerin. „Es gibt aber auch solche, die seit zwei Wochen kaum schlafen, sich nicht konzentrieren können, Angst haben um sich und ihre nächsten Angehörigen.“ Es hätte gute Gründe gegeben, Prüfungen zu verschieben.
Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, plädiert dafür, Prüfungen nach Möglichkeit stattfinden zu lassen. „Die Schulen im ganzen Land sind leer – eigentlich sollte es möglich sein, die Prüflinge so auf die Gebäude und Räume zu verteilen, dass sie ausreichend Abstand halten können.“
Tische und Toiletten seien überdies regelmäßig zu desinfizieren. „Hessen ist ein Testfall“, sagt Meidinger. „Wenn es dort gut läuft, ohne dass für Schüler und Lehrkräfte ein erhöhtes Infektionsrisiko entsteht, könnten andere Bundesländer daraus lernen.“
Andere verschieben die Prüfungen
Zahlreiche andere Bundesländer haben sich hingegen entschieden, die Prüfungen zu verschieben. Zunächst kündigten Bayern und Mecklenburg-Vorpommern an, das Abitur in den Mai zu verlegen. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Berlin und das Saarland zogen nach.
Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen hatte sich für eine Verschiebung stark gemacht. „Der Sinn der jetzt ergriffenen vielfältigen Maßnahmen ist es, soziale Kontakte zur Eindämmung der Corona-Pandemie so weit wie möglich einzuschränken“, heißt es in einer Stellungnahme.
„Das galt nach Ansicht der GEW Hessen auch für die Durchführung des hessischen Landesabiturs.“ Die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, Auszubildenden, Prüferinnen und Prüfer und der Lehrkräfte müsse immer im Mittelpunkt von Entscheidungen stehen.
Online-Petition in Hamburg: Prüfungen ausfallen lassen
In Hamburg fordern zwei Abiturienten, die Prüfungen komplett ausfallen zu lassen und allen Schülern stattdessen ein sogenanntes Durchschnitts-Abi zu verleihen. Es basiert auf einem Durchschnitt der Vornoten aus den Klassenstufen 11 und 12.
Eine entsprechende Online-Petition, die an den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher und die Regierungschefs der anderen Bundesländer adressiert ist, unterzeichneten bis Montagmittag rund 20.000 Unterstützer.

Quelle: Spiegel Onlineartikel von Miriam Olbrisch vom 23.03.2020

Trotz der angespannten momentanen Situation wünscht das Campus van Geister Team allen Abiturienten/innen viel Erfolg bei den weiteren Prüfungen. Sollten Sie jetzt auch Interesse haben, dass Abitur, die Mittlere Reife oder den Quali nachzuholen. Rufen Sie uns an – 089/666 52 678 – wir informieren Sie gerne.